„Was will der Künstler uns damit sagen?“ – Über Intention von Kunst
Aktuell, Themen

„Was will der Künstler uns damit sagen?“ – Über Intention von Kunst

In letzter Zeit wurde ich öfter gefragt, was ich mir bei meinen Kompositionen eigentlich denke. Dazu gibt es einiges zu sagen und hier im Magazin darf ich das – selber schuld! Klar, spricht jedes Werk für sich selbst und einige Komponisten machen ein Mysterium aus ihrem Schaffen.

Das hat zur Folge, dass entweder Dinge darin gehört werden, die auch der Komponist nicht intendiert hat oder auf der anderen Seite viele wichtige Details nie zum Vorschein kommen, bei denen er sich viel Arbeit gemacht hat. (Gerade bei Neuer Musik, die manchmal gerne als zufälliger Krach abgestempelt wird, passiert das schnell. s.Art.: “Das ist doch keine Musik“).

Nun sei mal dahingestellt, ob das “gut” oder “schlecht” ist, aber eines stimmt in jedem Fall: Jeder Zuschauer ist selbst zu entscheiden in Lage, ob er die Wirkung der Komposition so stehen lassen möchte oder Bestätigung und Aufschluss beim Komponisten sucht. Vielleicht hat auch der Zuschauer das Bedürfnis sich dazu zu äußern (nicht nur in Form von Applaus). Komponisten denken sich immer etwas bei ihrem Schaffen und sind meist erfreut, wenn sie über ihr Werk sprechen dürfen (so auch ich). Ich habe bisher nicht viel erklärt zu meinen Kompositionen, aber gebe immer zu meiner Partitur ein/zwei erklärende Worte. An dieser Stelle möchte ich euch einen Einblick in meine jüngste, . fertige Komposition für Klavierensemble geben, also Achtung(!): Wer zunächst die Komposition unvoreingenommen hören möchte – hier die Möglichkeit dazu:

In you Tube ‘Musik für vier Flügel > 

Grundsätzlich war die Idee bei “Musik für vier Flügel”, mehr Repertoire für Klavierensemble zu schaffen – ich finde, dass es da nicht genug gibt. Inhaltlich sind es vier Klangexperimente an vier Flügeln: Erst improvisiere ich und komponiere dann alles aus. So hat auch Messiaen gearbeitet, was in keinster Weise heißen soll, dass ich mich mit ihm auf eine Ebene stelle – ich möchte nur sagen, dass die Art zu komponieren nicht neu ist. Bei den vier Einzelsätzen versuche ich herauszufinden, was für Möglichkeiten einem vier Flügel bieten, die man an einem einzelnen nicht hat: z.B. 4 Richtungen, 40 Finger, 352
Tasten, Mischen von Effekten und Klängen etc.

Die Sätze sind unabhängig voneinander aber immer „4 Flügel – 2 Minuten – 1 Konzept“. Ein Beispiel: Im dritten und neuesten Satz ging es mir darum, die Idee eines unspielbaren Stücks (“Black-MIDI”) auf vier Flügel zu verteilen, sodass es spielbar wird. Beim Black-MIDI möchte man einen berauschenden Klang erzeugen, mit möglichst vielen Noten (tausende oder mehrere Millionen). Es entsteht so ein eigenes mächtiges Klangspektrum am synthetischen Klavier, das so nur ein Computer spielen kann. Aber wie klingt das, wenn es Menschen auf der Bühne spielen?

Das Thema des Satzes und die Begleitung sind in der Halbton-Ganzton-Leiter improvisiert und dann ausgearbeitet. Dabei wollte ich, wie eher für Jazz-Sessions typisch, das Thema zweimal spielen – dann Solos – dann nochmal Thema mit Schlussgruppe. Dabei ist mir aufgefallen, dass fast jede Session genauso aufgebaut ist, wie eine klassische Sonate. Diese Struktur scheint super anzukommen.

Auch epochen- und kunstformübergreifend bietet es sich an, nach diesem Aufbau zu arbeiten:
1. Idee vorstellen
2. Dem Rezipienten die Möglichkeit geben, sich mit der Idee auseinanderzusetzen
3. Intellektuelles Chaos erzeugen
4. Gedanken neu sortieren

Viele Kunstwerke, die die Zeit gestalten, arbeiten so. Natürlich könnte man die Konzepte auch klarer und besser umsetzen als ich in diesem Stück, aber ich wollte das Werk auch angenehm spielbar und hörbar halten. Vielleicht könnte man „Musik für vier Flügel“ als Sammlung von Ideen bezeichnen, die man später einmal ausarbeiten sollte.

Ich hoffe ein wenig Aufschluss gegeben zu haben und bin für Fragen immer offen.

Also wenn ihr Konzerte, Ausstellungen oder Theaterstücke besucht und ihr interessiert euch für spezielle Songideen oder Inspirationen von Werken, dann scheut euch nicht zu fragen: Performer, Komponisten – alle Künstler machen jede Kunst mit
irgendeinem Zweck … und wenn sie ihn selbst nicht kennen, dann werden sie sich Gedanken machen. So lernst entweder du etwas oder der Künstler!

Quelle:

Artikel verfasst und Bilder freigegeben von Alexander Reiff
areiff(at)students.uni-mainz.de>
Bilder fotographiert von Franziska Härtner


Weiterer Artikel von Alexander Reiff im Online Magazin “Das ist doch keine Musik” >

Zur Facebook Seite von Alexander Reiff >

Zur Dozentenprofilseite von Alexander Reiff >


You Tube Kanal:

Zur Dozentenprofilseite von Alexander Reiff >