Wir machen eine musikalische Länderreise
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Wir machen eine musikalische Länderreise

Wolfgang Hering berichtet in unserem Magazin für Musikbildung über sein neuestes Buchwerk “Lebensfreude in aller Welt”.
Unbedingt wissens- und lesenswert! Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihre Christiane Maier


Erleben Sie Wolfgang Hering live beim großen Fest der Kulturen.

Er singt dort Lieder aus seinem neuen Buch.
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Mit Autogrammstunde und Buchsignierung.


Musik ist am Anfang besonders wichtig

Kinder sind voller Energie und strahlen Lebensfreude aus. Besonders auf Musik reagieren sie unmittelbar. Jede Kultur hat ihre eigenen Kinderhits. Es sind Bewegungs- und Tanzlieder, Schlaf- und Wiegenlieder sowie eigens für Kinder geschriebene Stücke. Daneben gibt es Finger- und Kitzelspiele, Kniereiter und Schaukelverse sowie Klatsch- und Kreisspiele. Das Singen lernen die Kinder in enger Verzahnung mit dem Sprechen. Das, was die Kinder in der frühen Kindheit aufnehmen, vermittelt ihnen auch ein Heimatgefühl. So wie sie den Klang der Sprache aufnehmen, so erleben sie auch hautnah die Melodien und die Klänge der eigenen Musikkultur. Ich möchte dazu einladen, einmal mit der Kindergruppe auf eine musikalische Reise zu gehen. Es bietet sich an, vorhandene Ressourcen aufzugreifen und Kinder sowie Familienmitglieder mit anderer Muttersprache bei so einem Programm einzubeziehen. Stationen sind dann verschiedene Stücke aus unterschiedlichen Ländern.

Musik begleitet sozusagen als „Soundtrack“ das Leben. Zu den positiven Nebeneffekten gehört, dass Musik die Intelligenz der Kinder fördert. Sie sorgt für ein intensiveres Zusammenspiel der Gehirnhälften. Das Gehirn wird durch Melodien und Klänge stimuliert. Es gelingt auch besser physische Fähigkeiten wie Krabbeln oder Laufen zu entwickeln. Schon Babys erfahren rhythmische Ereignisse. Sie erleben schon vor der Geburt gleichzeitig immer wiederkehrende Klänge, insbesondere das Herzmuskelgeräusch – ein schneller Pulsschlag, den Atem – ein langsames binäres Motiv (Aus- und Einatmen) und motorische Bewegungsimpulse wie Gehen, Schwimmen und Fahrradfahren der Mutter. Polyrhythmen gehören also zu den grundlegendsten Prägungen eines Menschen. In den ersten Lebensmonaten sind dann motorische und sprachliche Entwicklungen eng miteinander verbunden. Damit einher geht das musikalische Lernen. So wie die Kinder das Sprechen lernen, wird auch das Singen eingeübt.

Verse und Kinderlieder aus anderen Ländern

Ich sammele seit Jahren Verse und Lieder aus anderen Ländern, die meist eigene Spielideen haben. Es ist erstaunlich, wie vielfältig die Stücke sind. Jede heranwachsende Generation wird durch die jeweiligen Musik

stile geprägt. Durch die heutige Vernetzung und durch den Brückenschlag zwischen den Kulturen, ergibt sich ein abwechslungsreiches Bild. Viele Kinder wachsen zweisprachig auf.

Durch meine Reisen, aber auch durch das Kennenlernen vieler Kolleginnen und Kollegen mit anderer Muttersprache v. a. bei Fortbildungen habe ich viele fremdsprachige Stücke kennen gelernt. Es hat mich gereizt, viele dieser bewährten Stücke ins Deutsche zu übertragen. Dabei muss unser Sprachklang und typische Satzmelodie berücksichtigt werden. Reine Übersetzungen reichen dazu nicht aus.

Aus dieser interkulturellen Tätigkeit sind jetzt zwei Bücher entstanden. Bei diesen Projekten habe ich zum einen Lieder aus etwa 30 Ländern gesammelt, u.a. aus Afghanistan, Italien, Japan, Schweden, Syrien, Großbritannien, der Türkei bis hin zu der USA. Zum anderen geht es „Mit zehn Fingern um die Welt“. Es werden in dieser Sammlung 130 Hand und Bewegungsspiele vorgestellt. Fast alle Stücke wurden von mir ins Deutsche übertragen. Sie orientieren sich an den Originalliedtexten, sind aber so übertragen, dass sie als eigenes Lied singbar sind.

Über die Musik und Rhythmik lassen sich m. E. sehr gut Vorurteile abbauen, und das gegenseitige Verständnis der Kulturen wird gefördert. In den Kinderspielen und Liedern der Welt drückt sich Spiel- und Lebensfreude aus. Sie laden zu gemeinsamem Tanz und Bewegung ein und sind wie eine universelle Sprache. Dieses Projekt ist mein kleiner Beitrag zur Völkerverständigung, Toleranz, Akzeptanz und zur Verminderung von Spannungen.

In den Fingerspielen und Kinderliedern werden Themen behandelt, die für die Kinder nachvollziehbar und verständlich sind. Meist sind Bewegungsimpulse dabei. Im Gegensatz zu dem mitteleuropäischen Raum gibt es in anderen Gegenden der Welt oft keine separate Kinderkultur. Deshalb sind es in vielen Ländern keine speziellen Kinderlieder, sondern sie gehören zum Volksgut und werden bei Festen und besonderen Anlässen gesungen. Oft werden die Lieder mit landestypischen Instrumenten begleitet.

Auf meinen Reisen habe ich einige Stücke kennen gelernt und stelle umgekehrt dort auch meine eigenen, selbst verfassten, aber auch traditionelle deutsche Kinderlieder vor. So entsteht ein lebhafter Austausch mit Kindern, Pädagogen und Musikern.

Sehr wichtig dabei ist Bewegung. Es ist offensichtlich, wie bedeutsam der motorische Bereich für Kinder geworden ist. Die Verse und Lieder sollen also nicht nur gesungen, sondern auch gespielt und praktisch erlebt werden.

Das Fremdartige in der Musik

Kinder sind in der Regel sehr aufgeschlossen und an Neuem interessiert. Hier bietet sich Raum, andere Kulturen spielerisch kennen zu lernen und verbindende Spielideen aufzugreifen. Zugleich können Kinder Teile ihrer jeweiligen Kultur präsentieren und damit Anerkennung finden. Vielleicht entdecken sie auch etwas von ihrer inzwischen vergessenen Lebensart oder regionale Unterschiede, die sie nicht kennen.

Es macht mich neugierig, andersartige Melodien, Rhythmen und Harmonien kennen zu lernen. Je jünger die Kinder sind, umso unbefangener begegnen sie diesen Angeboten, auch den fremdsprachigen Liedtexten. Mehrsprachigkeit zeigt neue Chancen der Verständigung auf.

Der Austausch zwischen den Kulturen

Meine Auswahl der Stücke aus anderen Ländern ist sicher subjektiv und unvollständig. Ich bin dabei unter anderem von den Spielideen ausgegangen. Teilweise haben mir die Melodien gut gefallen. Möglichst viele unterschiedliche Länder sollten berücksichtig werden. Wer Lieder in der fremden Sprache singt, muss beachten, dass die Aussprache und die Betonungen stimmen. Es wäre schön, wenn jemand mit der jeweiligen Muttersprache behilflich ist.

Es geht mir bei einer musikalischen Länderreise darum:

  • das gemeinschaftliche Singen zu fördern
  • Einblicke in andere, fremde Kulturen zu eröffnen und untereinander Erfahrungen auszutauschen
  • die Anerkennung von anderen Kulturen zu erreichen
  • Raum zu schaffen, dass Kinder, deren Familien aus den entsprechenden Herkunftsländern stammen, sich präsentieren (wenn sie es wünschen)
  • die Perspektive zu verbreitern und den eigenen Blick durch Mehrsprachigkeit zu erweitern
  • den Kindern die Erfahrung zu ermöglichen, dass es verschiedene Gesellschaften und Menschen mit anderer Hautfarbe gibt, Kinder anders aufwachsen und Feste in anderen Ländern auf eigene Art und Weise gefeiert werden.
  • Bewusstsein für die Bedeutung von fremden Sprachen zu schaffen, andere Wortklänge positiv aufzunehmen und Motivation für das Sprachenlernen zu wecken.

Bei den Arrangements der Stücke haben wir versucht, jeweils landestypische Instrumentierungen aufzugreifen und zu verarbeiten. Es bietet sich an, einige Lieder als „musikalische Weltreise“ aufzuführen. Bezugspunkte könnten auch Urlaubsorte sein, in denen die Kinder die Ferien verbracht haben. Weitere Einsatzbereiche können der Austausch mit Partnerstädten, interkulturelle Tage oder Wochen sowie Programmangebote zum „Weltkindertag“ sein.

Ich stelle nach Absprache gerne bei einer musikalischen Länderreise ausgewählte Titel dieses Programms auch live vor, jetzt in Ginsheim am 15. September, u.a. mit den Mini-Amigos, einer bilingualen Kita aus Wiesbaden.


Quellen:

Wolfgang Hering – Lebensfreude in aller Welt 
Köln (SchauHör-Verlag) (mit separater Doppel-CD mit 40 Titeln)

Weitere aktuelle Veröffentlichung:
Wolfgang Hering – Mit zehn Fingern um die Welt
130 Hand- und Bewegungsspiele für Kinder von 0 bis 6, Esslingen 2018 (Helbling-Verlag)


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